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Freitag, 11. Mai 2012

Altes und Neues im Musikbiz...

Es gibt Posts, die drängen sich förmlich auf geschrieben zu werden. Dies ist so einer.

Heute morgen überraschte mich heise mit einer Meldung, die mich kurz zum Nachdenken brachte: MP3tunes ist pleite und gibt dem Musik-Major EMI die Schuld dafür, so die Synopse der Meldung. Gut, ich kenne und nutze MP3tunes nicht, aber ich las den Artikel dann doch durch. Offensichtlich ist/war es ein Dienst zum Streamen von Musik via Internet, wofür digitale Kopien der Werke natürlich von den Nutzern bzw. den Anbietern, die mit MP3tunes zusammenarbeiten, in die Cloud des Dienstes geladen werden mussten. Was heute bekannt anmutet -- man denke nur an Amazon Cloud Drive -- schien erstmalig von MP3tunes verwirklicht. Für die digitale Kopien wollte EMI von MP3tunes Geld haben (obwohl die Nutzer diese schon bezahlt hatten) und der Major verklagte das Internet-Start-Up. Den Prozess hat der Streaming Dienst zwar gewonnen (sehr zur Freude von Amazon, Google und anderen Anbietern eines ähnlichen Services), aber jetzt ist der Laden wegen der hohen Kosten zahlungsunfähig. Soviel zum Inhalt der eigentlichen Nachricht von Heise.

Nun vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht die Majors jammert hört, wie sehr sie das böse, böse Internet um ihre Einnahmen bringt und das man doch bitte Nutzer endlich wegsperren soll, damit die armen Firmen auch von ihrer Arbeit leben können -- von den Sorgen der Künstler reden die Majors ja nie! Anyway, bemerkenswert fand ich folgenden Satz im Heiseartikel:
"EMI weiß, dass es für Startups schwierig ist, lange, teure juristische Kämpfe auszufechten", schreibt Robertson [der Gründer von MP3tunes - Anmerkung von mir]. "Ihre Hoffnung ist, dass ein Startup das nicht finanzieren kann und sie automatisch gewinnen."

 Also, wenn Majors und allen voran EMI soviel Geld übrig haben anderen Menschen ihre Lebensgrundlage zu entziehen, weil sie junge Firmen in einen teuren Rechtsstreit verwickeln anstatt durch ein besseres Angebot beim Kunden zu landen, dann bekommen die Majors noch immer zu viel Geld! Darüber ist der Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass wir dringend eine Reform des Verwertungs- und Urheberrechts brauchen -- auch, damit die Künstler wieder von ihrer Arbeit leben können und nicht nur die Plattenbosse.

Und wie das Schicksal es so will erreicht mich via Google+ eine erfreuliche Nachricht von der Electronic Frontier Foundation, einer meiner liebsten Bürgerrechtsorganisationen: Es gibt jetzt das Indie Allstar Bundle, welches 10 Musikalben zu einem Bundle zusammenschnürt, die im MP3-Format in 320 kbps vorliegen und für die Interessenten soviel ausgeben, wie sie wollen. Zahlt mensch mehr als der Durchschnitt (derzeit bei knapp unter 8 US-Dollar) gibt es noch 5 EPs dazu soviel alle Alben zusätzlich im FLAC-Format zum Download. Gezahlt wird per Paypal. Das Angebot gibt es allerdings nur noch eine gute Woche zu kaufen!

Die stilistische Bandbreite der Alben ist groß und ich werde mich da noch durcharbeiten müssen, bevor ich näheres dazu schreiben kann. Zu jedem Album gibt es einen Probesong zum vorhören, so dass niemand die Katze im Sack kaufen muss. Mich haben derzeit vor allem die Rocker von Cosmonaut Day beeindruckt, die auch gerade beim Schreiben dieses Textes im Hintergrund laufen -- und wohl auch einen weiten Teil meiner Masterarbeit begleiten werden, da der komplexe Rock ohne Text auskommt und die Nerven beim Arbeiten gut beruhigt.

Das Angebot ist nicht nur großes Kino sondern erinnert auch nicht von ungefähr an das Humble Bundle, die ähnliches für Computerspiele machen: Sogar die Aufteilung des Geldes kann man wie beim Humble Bundle selbst bestimmen: Wieviel sollen die Künstler bekommen, wieviel soll als Spende an die EFF gehen, was bekommen die Bundlermacher für die Bereitstellung der Website und des Traffics.

Bundles scheinen sich langsam als ein neuer Vertriebsweg zu etablieren nachdem die Independent Games damit gute Erfahrungen gemacht zu haben scheinen. Denn wie eine kurze Googlesuche verrät ist das Humble Bundle nicht das einzige seiner Art -- aber das einzige, welches auf vollständige Plattformunabhänigkeit achtet, was für GNU/Linux-Nutzer wie mich von immenser Bedeutung ist. Bin mal gespannt ob sich dieses Modell hält und als zukunftstauglich etabliert. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall, da ich glaube, dass sowohl Konsumenten als auch Werkschaffende mit diesem Vertrieb mehr erreichen können als mit dem antiquierten Modell des Major-Vertriebes.

Ich hoffe, dass mit dieser Aktion genug Geld zusammenkommt um eine Fortführung zu erwägen. Und ich warte noch auf ein Bücherbundle ;)

Dienstag, 8. Mai 2012

Hilfestellung für angehende Freischwimmer

Wer -- wie ich -- neu auf Google Plus ist und aus dem deutschsprachigen Raum kommt, der oder die sollte mal einen Blick auf das Buch "Plus Eins. Das Google+ für Jedermann" riskieren (auch wenn es nicht gegendert ist, aber das ist eine andere Sache, die ich an anderer Stelle thematisieren werde und möchte). Das Buch ist von Philipp Steuer geschrieben, ist gestern veröffentlicht wurden, liegt als kostenfreies PDF vor und ist mit 80 Seiten auch nicht sonderlich lang.

Was mir aber sofort auffällt: Lustiger Weise wird nichts zur Lizenzierung des Buches gesagt; es ist lediglich bekannt, dass es kostenlos als Download verfügbar ist. Um eine Software-Analogie zu bedienen: Das Buch scheint copyrightgeschützte Freeware zu sein, keine Freie Software im Sinne der GPL- oder einer BSD-Lizenz.

Wenn es gut ist -- oder wenn es besonders schlecht sein sollte *evilgrin* -- dann schreibe ich demnächst eine Rezension dazu.

Samstag, 5. Mai 2012

Buchtipp: Volker Grassmuck - Freie Software

Heute gibt es einen Buchtipp von mir: Volker Grassmucks "Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum". Die Version, die ich hier vorstellen möchte, stammt aus dem Jahr 2004, liegt in der 2. überarbeiteten Auflage vor und lässt sich als Lizenzausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen. Gleichwohl lässt sich das Buch unter einer Creative Commons Lizenz (cc by-sa 2.0 - vollständiger Lizenztext ist über den Link einsehbar) als PDF-Datei downloaden. Aber genug zum Distributionsweg, kommen wir (grob) zum Inhalt.



Wirklich spannend an dem Buch ist der Aufbau, denn obwohl es den Titel "Freie Software" trägt wird dieses Versprechen erst ab Mitte des Buches eingelöst. Vorher -- und in diesem Punkt ist es wirklich einzigartig -- beschreibt es ausführlich die rechtlichen Umstände von Urheberrecht, Lizenzverträgen, Rechteverwaltung sowie digitaler Allmende (ähnlich der public domain in den USA). Die Abschnitte sind wirklich sehr geeignet um sich einen ersten Überblick über die Hintergründe der meisten Diskussionen über Urheberrecht und Urheberrechtsverletzungen zu verschaffen. Damit sind sie jedem und jeder wärmstes ans Herz gelegt, der oder die sich in diese Themenkomplexe einarbeiten will.

Auch die Beiträge zum Thema Freie Software sind lesenswert und bieten einen guten Überblick über die Geschichte der Bewegung, die politischen Intentionen, die wichtigsten Akteure und ihre Ziele. Die Lizenz des Buches ist ein weiterer Grund sein es zu Lesen, da es unentgeltlich für alle zur Verfügung steht. Die einzige Währung, die das Buch verlangt, ist das Interesse, welches benötigt wird, es von Anfang bis Ende zu lesen.

Und hier liegt der einzige Kritikpunkt an dem Werk: Besonders zu Beginn merkt man dem Autoren seine soziologisch-akademische Tradition an: Sperrige Sätze und eine Akkumulation von Fremdwörtern trüben den Einstieg ins Werk -- wer diese Hürde aber meistert, wird von dieser Qual bald verschont und mit einem lesbaren und interessanten Werk belohnt, welches die Allgemeinbildung des Lesers oder der Leserin durchaus bereichern kann.

Happy Reading...